Als Berthold Rückert im Jahr 2012 den Waldfriedhof Halbe betrat, kam er nicht als Besucher. Er kam als einer von denen, die den Krieg in ihrer ganzen Brutalität kennengelernt hatten. Einer, der den Krieg überlebt hatte und der wusste, was es heißt, Kameraden zurückzulassen. Er stand an den Gräbern jener, mit denen er einst gezogen war, jung, ahnungslos, hineingeworfen in einen Krieg, der Europa verwüstete und Biografien zerbrach.
Rückert war Jahrgang 1923. Als junger deutscher Soldat erlebte er den Zweiten Weltkrieg aus nächster Nähe, überlebte mit Glück und kehrte in ein Leben zurück, das für viele andere nicht mehr möglich war. Dieses Überleben verstand er nie als Zufall ohne Folgen. Es wurde für ihn zu einer Aufgabe. Am 9. Dezember erfüllte sich dieses lange Leben.
In Halbe begegnete er dem Volksbund, seiner Arbeit und seiner Verantwortung. Aus dieser Begegnung wuchs eine enge, vertrauensvolle Verbindung. Berthold Rückert entschied sich gemeinsam mit seiner Familie, seine persönlichen Kriegserinnerungen nicht für sich zu bewahren, sondern sie weiterzugeben. Als Zeugnis einer Generation, deren Stimmen verschwinden, deren Erfahrungen aber bleiben müssen.
Sein persönliches Kriegsschicksal ist heute Teil der Ausstellung in der „Alten Schule“ in Halbe. Es steht dort nicht stellvertretend, sondern exemplarisch. Für einen jungen Soldaten. Für einen Überlebenden. Für einen Mann, der Jahrzehnte später bereit war, seine Erinnerungen zu öffnen.
Über viele Jahre unterstützten Berthold Rückert, seine Familie sowie Freunde und Weggefährten den Volksbund zudem regelmäßig und großzügig. Ihr Engagement galt dem Erhalt der Gedenkarbeit in Halbe und in Brandenburg und der Verantwortung gegenüber den Toten. Darüberhinaus spendete die Familie Rückert und deren Freunde und Bekannte dem Volksbund jährlich beträchtliche Beträge zum Erhalt seines Wirkens in Halbe und in Brandenburg.
„Berthold Rückert hat uns mehr hinterlassen als Erinnerungen“, sagt Oliver Breithaupt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Brandenburg. „Er hat uns sein Vertrauen geschenkt. Damit verpflichtete er uns, seine Geschichte und die seiner Kameraden weiterzutragen.“
Mit Berthold Rückert verlieren wir einen Zeitzeugen der Schlacht von Halbe, einen verlässlichen Förderer des Volksbundes und einen Menschen, dessen Offenheit, Interesse und leise Freundlichkeit bleiben. Er wird uns stets in guter Erinnerung bleiben.