Noch immer werden in Brandenburg Kriegstote gefunden. In Wäldern. Auf Feldern. An alten Straßenrändern. Manchmal bei Bauarbeiten, manchmal durch Zufall. Fast 81 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist der Krieg vielerorts noch immer nicht ganz vorbei.
Der Landesverband Brandenburg gedachte in diesen Tagen der Opfer des Ausbruchs aus dem Kessel von Halbe und der Kämpfe zwischen Märkisch Buchholz, Halbe und Beelitz im Frühjahr 1945. Es waren die letzten großen militärischen Bewegungen des Krieges, nur wenige Tage vor der deutschen Kapitulation am 8. Mai.
Auf dem Waldfriedhof Halbe legten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem Volksbund im Rahmen eines Schulprojektes ein Gebinde nieder. Einen Tag später wurde auch in Elsholz am neuen Hochkreuz der Toten gedacht. Dort soll im kommenden Jahr eine Informationstafel des Volksbundes an die Ereignisse erinnern.
Zwischen diesen Orten liegen bis heute zahlreiche Kriegsgräberstätten. Durch Dörfer, Wälder und kleine brandenburgische Gemeinden zogen Ende April 1945 Zehntausende Menschen nach Westen. Soldaten, Verwundete, Flüchtlinge, Familien mit Pferdewagen und Handkarren. Viele wollten nur noch raus aus dem Kessel. Weg von der Front. Weg vom Sterben. Für viele endete der Weg irgendwo zwischen den Kiefern Brandenburgs.
Wer heute aufmerksam durch manche Orte geht, entdeckt die Geschichte noch immer. Einschusslöcher an alten Mauern. Beschädigte Friedhofstore. Namenlose Gräber. Spuren eines Krieges, der sich tief in die Landschaft eingegraben hat.
Viele der Toten ruhen inzwischen auf Friedhöfen. Andere gelten bis heute als vermisst. Immer wieder stößt der Umbettungsdienst des Volksbundes bei Arbeiten auf bislang unbekannte Kriegstote. Manche wurden nach Kriegsende notdürftig und ohne Registrierung beerdigt. Andere lagen jahrzehntelang vergessen in Wäldern oder an der ehemaligen Front in Brandenburg.
Sie werden geborgen, wenn möglich identifiziert und würdig bestattet. Meist auf dem Waldfriedhof Halbe, einem der größten Soldatenfriedhöfe Deutschlands.
Auch im kommenden Jahr wird es dort wieder eine größere Einbettungsveranstaltung geben. Sie soll erneut Ende April stattfinden.
Die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges haben einen langen Atem. Der Volksbund und sein Landesverband in Brandenburg arbeiten deshalb bis heute an einer Aufgabe, die mit dem Kriegsende nicht beendet war: Kriegstote bergen, ihre Schicksale klären und ihnen Namen und Würde zurückgeben.
Der Landesgeschäftsführer Oliver Breithaupt dankt allen Unterstützern, Schulen, Gemeinden und ehrenamtlichen Helfern, die diese Arbeit begleiten.