Meldungen aus dem Landesverband Brandenburg

30. April 1945 – der Tag an dem in Halbe die Waffen schwiegen

Nach einer der blutigsten Kesselschlachten schwiegen die Waffen in Halbe und Umgebung vor 76 Jahren wieder. Deshalb ist der 30. April für den Volksbund in Brandenburg ein so wichtiger Tag des Gedenkens. Der Ausbruch aus dem Kessel gelang zwar Teilen der Wehrmacht – doch unter welchen Opfern. Jene drei Tage von Halbe im Frühling 1945 sind die Grundlage für die Kriegsgräberstätte in Halbe. Hier entwickelte Pfarrer Teichmann Idee und Gestalt des Waldfriedhofes. Und bildete damit die Grundlage der Vermittlung des Volksbundgedankens vor Ort. Die Erinnerung erhält mit der Vorstellung eines bisher unbekannten Schicksals eine Würdigung besonderer Art.

 

Gedenken in Halbe am 30. April 2021: (v.l.n.r.) Josephine Seiger, Barbara Remy, Karl-Heinz Driemel, Oliver Breithaupt am Ehrenmal auf dem Waldfriedhof

Die Zeiten sind nicht einfach für ein großes öffentliches Gedenken. Am 30. April trafen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Volksbundes und einige wenige Gäste aus Halbe. Unter ihnen war mit Karl-Heinz Driemel auch einer der letzten Zeitzeugen der Schlacht. Mit einer kleinen Zeremonie, dem Vaterunser und zwei Blumen-Gestecken wurde der Gefallenen des Ausbruches aus dem Kessel bei Märkisch-Buchholz gedacht. Zentraler Gedanke auch dieser Volksbundveranstaltung ist der Satzes aus dem offiziellen Totengedenken: „Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

Josephine Seiger hat ihr Büro in Bildungsstätte in Halbe. Die Dipl.-Sozialpädagogin ist seit gut einem halben Jahr beim Amt Schenkenländchen im Bereich der Jugendarbeit sowie landkreisweit im Bereich der historisch-politischen Jugendbildung tätig. Nicht zuletzt wegen ihrer eigenen Familiengeschichte ist sie dem Waldfriedhof und seiner Gedenkstätte eng verbunden. Denn ihr Urgroßvater Werner Novak zählt zu den vielen Gefallenen des April 1945. Er wurde nie identifiziert und als „unbekannt“ auf dem Waldfriedhof bestattet. Dieser Punkt ihrer eigenen Familie bewegte Josephine Seiger, jungen Menschen Geschichte und die Auswirkungen von Krieg und Gewaltherrschaft näher zu bringen und anhand ihrer eigenen Familiengeschichte zu verdeutlichen. Das verleiht ihr eine besondere Authentizität, die ihr dabei hilf, auch die Themenkomplexe Demokratieförderung und Friedensarbeit im Zusammenhang mit den Ursachen für die vielen Toten auf dem Waldfriedhof zu vermitteln.

Werner Novak wurde am 7. April 1924 in Bad Freienwalde/Oder geboren. Er lebte mit seinen Eltern und dem jüngeren Bruder Klaus in Lautawerk. Dort besuchte er die Schule und schloss diese erfolgreich mit dem Abitur ab. Danach trat er 1943 in die Wehrmacht ein. Er und sein Bruder Klaus waren zunächst an der Westfront stationiert. Nach einem Unfall Anfang 1944 war er zwar auf orthopädische Schuhe und einen Gehstock angewiesen, musste aber weiter dienen. Während seines Genesungsurlaubs in der Heimat lernte er in diesem Frühjahr auch seine Frau kennen und lieben. Bereits an Weihnachten 1944 gaben beide ihre Verlobung bekannt. In Potsdam absolvierte Werner Novak im Januar 1945 einen Offizier-Lehrgang. Von dort schickte man ihn im März 1945 dann als Ordonnanzoffizier an die schnell heranrückende Ostfront. Dort verliert sich seine Spur im Raum Bugk bei Storkow. Das letzte Lebenszeichen, der letzte Brief an seine Verlobte, ist vom 5. April 1945.

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